Sonntag, 25. März 2012

Junjun-kun, Rara-chan und 1,15 Teffen mit Yoshi-kun

Junjun-kun, Rara-chan und 1,15 Teffen mit Yoshi-kun

Zur Orientierung beginnen wir mit der オリエンテーション ("orientheeeeschon"). Diese Orientierungseinheit für unser Wohnheim war ausgestattet mit zu wenig Sitzplätzen, zu wenigen hässlich-grünen Hauschuhen, vier Hausmeisterinnen, die im Voraus keinerlei Absprachen untereinander gemacht hatten, einer weiteren Frau mit einer nicht wahrnehmbaren Stimme und vielen anderen Bewohnern, darunter zwei anderen Deutschen, deren Aura uns Vorurteile geschenkt hat. Und Informationen gab es auch nicht. Die einzige Ausnahme: etwas mit einer Zahl von 30 Gigabyte, die nicht überschritten werden darf, was wir aber nicht verstandne haben. Außerdem der Hinweis bitte die Tür des Gemeinschaftbadezimmers geschlossen zu halten und das Licht, sowie die Lüftung beim Verlassen auzuschalten. Leider war eine der Hausmeisterinnen für unser Wohnheim nicht anwesend, was zur Folge hat, dass diese nette Dame, immer wenn sie das Gebäude betritt die Tür öffnet und Licht und Lüftung anschaltet.

Anschließend sind wir (ausgestattet mit den Adressen diverser Fahrradläden, die auch Second-Fahrräder verkaufen) losgezogen in der Hoffnung irgendwo irgendwas halbwegs annehmbares zu finden, doch eigentlich waren wir sicher: das wird eh nix. Beim ersten Fahrradladen wartete dann bereits die große Überraschung auf uns. Die Preise waren nur vierstellig und die Fahrräder weder zu groß noch zu klein. Also haben wir welche gekauft. Und ganz alleine unsere ersten Verisicherungen abgeschlossen. Und weil alle Dinge einen Namen brauchen, haben wir sie auch getauft. Tadaa! Rara-chan und Junjun-kun!!
Abschließend wollten wir mit diesen beiden hübschen einen ersten Ausritt unternehmen und richtige, eigene schöne Regenschirme kaufen. Doch leider regnete es die ganze Zeit, so dass wir nicht richtig fahren konnten und außerdem haben wir uns (natürlich) verfahren, so dass wir irgendwann keine Lust mehr hatten alles zurück zu fahren. Vor allem, da wir ja nicht fahren konnten. Das mag jetzt komisch klingen, ist aber so. Denn: Zwischen den Laternen-Pfosten und dem Zaun ist der Gehweg von Kyotos Straßen nur knappe 20cm breit. Mehr Platz hat man da nicht. Dann müssen auf diesem Raum auch noch Gegenverkehr und Fußgänger untergebracht werden. Die Straßen sind zum Teil zwar ein kleines bisschen breiter, das Fahren dort ist jedoch als lebensgefährlich einzustufen, da es keine Verkehrsregeln in dieser Stadt zu geben scheint. Außer: komm ans Ziel!
Doch unser Umweg hat sich gelohnt. Wir haben einen Menschen beobachten können, der im Graben des Gosho (alter Kaiserpalast) hockte und in aller Seelenruhe Steine fotografierte. Glauben wir. Zunächst hätten es auch Käfer sein können. Aber da waren keine. Also haben wir auch einen Fotografiert. Den schönsten von allen.
Um die Vielfalt zu vergrößern haben wir dann noch etwas fotografiert, das auch ganz schön ist.

Nun folgt ein Bericht über die "Odysse des Kochlöffels".
Zu Beginn: es gibt in Japan keine Kochlöffel. das wissen wir aber erst jetzt. Und das ist zu spät. So ziemlich jeden Laden in dieser Stadt haben wir verzweifelt und vergeblich nach Kochlöffeln abgesucht. Eine Handvoll Japaner und Amazon haben wir gefragt und alle behaupten, das gäbe es sehr wohl. Aber nein: das ist eine Lüge! Salatbesteck, Suppenkellen, Spachtel, Spatel und was und nicht sonst alles als mindestens genauso gut angeboten wurde sind einfach keine Kochlöffel. Immerhin hat Japan ein Wort für das Phänomen "Kochlöffel": クッキングスプーン (kukkingu-suppuuuuuun). Das ist aber auch schon alles, was es dazu hier gibt. Ein Wort. Sonst wirklich nichts. Wir bleiben dran.

Auch kam es in den letzten zwei Tagen zu 1,15 Treffen mit Yoshi. Das erste, bez. das 0,15-te Treffen war überraschend, könnte man vielleicht sagen. Es dauerte etwa eine Viertelstunde bis er den Haupteingang seiner eigenen Uni gefunden hatte. Dafür kannte er den weg zu dem Gabäude, das wir brauchten sehr gut und es ging sehr schnell zum "Fusokan". Dort wollten wir unsere Mietschulden begleichen. An der Tür des entsprechenden Büros hing jedoch ein Schild (auf englisch und japanisch), dass das Büro am Wochenende geschlossen sei. Wir sagten: "Ist geschlossen, lass gut sein, wir kommen Montag wieder! Nein! Nein!  Muri!! (und so weiter)". Er antwortet: "Aber da ist Licht an!" und klopft...
Nach einer sehr kurzen Zeit peinlichen wartens und hoffens öffnet sich leider doch eine Tür. Ein Mann tritt heraus und fragt was wir wollen. Yoshi erklärt die Situation. Der Mann sagt, dass geschlossen ist. Das ganze während wir im Hintergrund vor Scham beinahe umgekommen sind. Und nun weiß der Mann, der uns später noch zweimal auf demCampus begegnet ist nicht nur wie wir aussehen, sondern auch wie wir heißen und wo wir wohnen!!!!
Immerhin hat Yoshi uns später Doshisha-Taschen geklaut.
Toll.
Dann fragte er uns dezent, was wir denn noch für Pläne hätten, was uns etwas überrumpelt hat, da wir dachten, wenn wir uns schon treffen, dann machen wir auch noch irgendwas. Doch der Herr hatte andere Pläne und so zogen wir nach einem Treffen, das etwa so lange gedauert hat, wie er Verspätung hatte, fort gen Kyoto-Eki um in der Touristeninformation Karten abzustauben und heruauszufinden, wo man Geld wechseln kann. Bedient wurden wir von einem Mann, der etwas unangehm war, da er uns durch die Blume sagte, dass er uns gerne im Kimono sehen würde.

Heute haben wir Yoshi dann tatsächlich getroffen. Also richtig, länger als 5 Minuten. Und er war pünktlich, pünktlicher sogar als wir. Aber das weiß er nicht, er denkt, er hätte uns nur nicht gesehen. Belassen wir es dabei.
Und wir haben gelernt, dass man in einer Takoyaki-Pfanne auch fritieren kann. DiesesProdukt schmekt dann irgendwie nach Weihnachten. Doch eingentlich war es einfach nur ein gemütlicher, schöner Nachmittag, bei dem wir außerdem eine sehr süße Bekanntschaft haben machen können. Und wir viel zu viel gegessen haben. Auch haben wir gelernt, dass man auch Kuchen mit Stäbchen essen kann.
Nach einer abschließenden Purikura-Session gings dann nach Hause.

4 Kommentare:

  1. Ich möchte bitte Genaueres über die Vorurteile ausstrahlenden Auren der beiden anderen Deutschen hören :D würd mich ja glatt interessieren.

    PS: Charly, wenn ich das sagen darf, auf dem Puri siehst du etwas gruselig aus!

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    1. Ola Maggie!
      Die beiden sind total doof! Nicht nur, dass sie uns freundlicherweise ignorieren, nein, jetzt haben sie uns auch noch in die vielleicht schlimmste Fremdschäm-situation unseres Lebens gebracht, als sie vor beginn des Einstufungstestes in fürchterlichem Japanisch mit null Höflihckeit vor 200 Leuten fragte, ob es okay sei ein denshi-jisho zu nutzen, wenn man ein Wort nicht kennt! Vor allem drehte sich dann eine nette Koreanerin um mit den Worten: "Das ist auch eine Deutsche!!!"
      Danke.

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    2. Ach du heilige scheiße. das ist ja mal sowas von... wie sagt man?.... beschämend?! Ihr Ärmsten!!! Aber das könnt ihr bestimmt wieder mit eurer Grazie und norddeutschen Herzlichkeit ausgleichen! :D

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  2. ich bin soooo neidisch XD

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